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Letztes Jahr stolperte ich über einen Artikel, in dem es um die Schriftstellerin Jane Austen ging… und daß 2025 ihr 250. Geburtstag wäre. Es dauerte nicht lange, da hatte ich auf Pinterest eine Pinnwand mit Motiven aus ihrer Zeit und machte erste Pläne, einen Quilt dazu zu gestalten.

Bücher sind meine große Liebe neben den Stoffen und ich habe im Laufe meines Lebens das ein oder andere Buch von Ihr gelesen… und ich liebe die Filme.

Ganz besonders liebe ich Keira Knightley im Film „Stolz und Vorurteil“ … die Bilder darin sind einfach so wunderschön… die ganze Welt des ländlichen Englands, dieser feine Stil voller ledergebundener Bücher, Blumen, Kerzen, zartem Porzellan, Notenblättern, Morgennebel über einem See… hach ja.

Jane Austen wurde 1775 geboren und ist bereits 1817 gestorben. Sie wuchs im Pfarrhaus in Steventon, Hampshire auf. Die Familie war sehr gebildet und belesen und den Kindern war der freie Zugang zur Bibliothek der Eltern erlaubt. Für eine Frau ihrer Zeit erhielt die junge Jane eine sehr umfassende Ausbildung.

Mit 12 begann sie selbst eigene kleine Stücke zu schreiben. Und sie erhielt bereits zu ihren Lebzeiten Anerkennung für ihr Werk. Heute gilt sie als eine der größten englischsprachigen Autorinnen.

Die Themen ihrer Romane sind oft romantischer Natur… es geht um die Suche der Romanheldinnen nach ihrer großen Liebe. In Zeiten, in denen Frauen nicht nach Wunsch einfach einen Beruf erlernen konnten und finanziell Entscheidungsfreiheiten hatten, war Heirat oft nicht nur aus Liebe, sondern aus finanziellen oder familiären Verpflichtungen heraus zu entscheiden. Eine Liebesheirat war gesellschaftlich betrachtet nicht unbedingt das oberste Ziel.

Ich lese in ihren Büchern auch immer ein Aufbegehren gegen diese Abhängigkeitsverhältnisse, in denen Frauen nicht über ihren eigenen Weg bestimmen konnten. Ihre Figuren haben einen sehr klaren Wertekompass und entscheiden sich mutig aus ihren Gefühlen heraus. Das ist aber oft nicht so einfach, weil die Frau ja abwarten mußte, ob ein Mann sie erwählt und sich ihr erklärt. Diese passive Rolle, die der Frau hier zugedacht war, die kritisiert sie deutlich. Sie selbst hat nie geheiratet.

Ein weiteres Thema, das sich durch ihr Werk zieht, ist der Begriff von Zuhause. Ihre Romanfiguren mußten oft gezwungenermaßen ihr Zuhause verlassen und sich eine neue Bleibe suchen. Sie schätzte den Zusammenhalt in der Familie und einen Ort, an dem man leben mag, sehr hoch. Ihre Figuren sind auf der Suche nach einem Heim und der großen Liebe.

Die Zeit, in der Jane Austen lebte, war eine Epoche großer Veränderungen… neue Werkstoffe, Patente und Maschinen entstanden. Jane beschreibt in ihren Büchern eine Welt, in der die Zeit ein wenig stehenbleibt… ihre Romanfiguren machen Konversation, Scherenschnitte waren groß in Moden, sie spielen Klavier, singen, lesen und sticken. Sie hatte auch eine große Liebe zu Pferden und dem Landleben. Die Natur in England ist einfach unvergleichlich und in ihren Beschreibungen fängt sie das ein.

Als ich im Herbst das erste Mal davon hörte, daß Acufactum gemeinsam mit Andrea Flebbe und Sophia Drescher das Thema aufgreifen würden für das Sommerbuch 2025, war ich hin und weg.

Und dann sah ich die ersten Stoffe… Pferde, Disteln, feine Schriftzüge, Scherenschnitte, Vögel, Wiesenblumen… so wunderschön!

Die Kollektion ist sehr anmutig, verspielt und romantisch…Auf der Hausmesse im Januar wollte ich sie mir genau anschauen.

Ich fuhr also sehr gespannt nach Iserlohn und war begeistert.

In einem Raum waren die genähten Stücke zur neuen „Dear-Jane-Collection“ ausgestellt. Wir durften noch keine Fotos machen, aber wir durften schauen… und ganz plötzlich, als ich vor den Regalen stand, die, wie immer so liebevoll dekoriert waren, da merkte ich, daß ich tief seufzen mußte.

Die ganze Kollektion ist so zart und weich und anmutig. Das hat mich ganz tief drinnen berührt. Und die andauernde Anspannung der letzten Wochen gelöst.

Das Weltgeschehen in diesen ersten Wochen von 2025 verwirrt und erschreckt mich. Ich habe das Gefühl, mein Kopf dreht sich nur noch. Alle diese Absurditäten sind für mein armes Hirn nicht mehr zu fassen. Ich habe das Gefühl, Koordinaten, an denen ich mich mein Leben lang orientiert habe, Gewissheiten, die ich gehabt habe… Schall und Rauch. Es sind Dinge sagbar, die ich für unsagbar gehalten habe und der Boden unter meinen Füßen trägt nicht mehr.

Dieser Zustand der Verwirrung ist kein guter Ort. Ich glaube, daß Zeiten wie diese erfordern, daß wir fest auf dem Boden unserer Überzeugungen stehen. Daß unser Wertekompass ganz klar ausgrichtet ist. Daß wir nicht aufhören, an das Gute zu glauben und dafür bereit sind, etwas zu tun. Wir dürfen nicht hart und bitter werden. Wir dürfen dem Gefühl der Sinnlosigkeit und Resignation keinen Raum geben.

„Die Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben, das kann nur das Licht tun.“

Martin Luther King

Mitgefühl, Freundlichkeit, Hingabe an eine Aufgabe, Liebe, ein schönes Zuhause, für andere da zu sein, Anmut, Schönheit, Musik, Gemeinschaft, Freundschaft, Familie, Natur, Kreativität… das ist das Licht. Das sind die schönen und hellen Dinge. Und wenn wir vielleicht nicht die Menschen sind, die an den großen Entscheidungen beteiligt sind, so können wir doch immer, immer, immer diese Art von Licht scheinen lassen. Jede von uns, überall, wo wir sind.

Ich habe das so sehr gespürt, wie wichtig das Gefühl von Freude ist, dieses Umgeben-sein von Schönheit… als ich in dem liebevoll dekorierten Raum gestanden habe, mit netten Kolleginnen, feinem Essen und schönen Gesprächen… genau das brauche ich gerade. Und wenn es mir so geht, dann bin ich damit vielleicht nicht alleine.

Wir brauchen schöne Dinge… und wir haben das große Glück, sie selbst machen und gestalten zu können. Und wir haben das Glück, über unsere Freude an schönen Stoffen und am Nähen eine Gemeinschaft gefunden zu haben.

Deshalb werden wir am 20. März nachmittags von 15.00 Uhr bis 20.00 Uhr im Ladeli feiern. Du bist herzlich eingeladen! Es gibt Apfelpunsch und Salate, eine Mitmach-Werkstatt, zu der Du Dich nicht anmelden musst... und es gibt jede Menge schöner Dinge zu sehen, Inspirationen und Materialpakete.

Die Themen und Werte, über die Jane Austen geschrieben hat, sind heute noch genau so aktuell. Die Rechte der Frauen, der Wunsch nach einer heilen Welt… ich fühle das sehr.

Deshalb habe ich schlicht und einfach die komplette Kollektion bestellt. Diese Motive sind mir ans Herz gegangen und ich wünsche mir sehr, daß es Dir auch so geht. Ein wenig Romantik und Zartheit ist vielleicht genau das, was wir gerade brauchen.

Das Erscheinungsdatum des Buchs ist der 10. März und Du kannst das Buch und die Stoffe bereits hier vorbestellen. Ich kann’s kaum erwarten, bis sie da sind.

Ich lass` Dir hier einen Drücker da. Falls Du einen brauchst. Ansonsten hast Du einen für den Vorrat.

Ein Stoffvorrat, der Dich glücklich macht, ist etwas Feines.

Zuallerallerallererst ist das Entscheidende, daß Du Deine Stoffe magst. Was Du magst, ist richtig und gut. Dieser Blogbeitrag soll eine Anregung, ein Gedanken-Anstoß sein… sonst nix.

Der Grundgedanke ist, daß Du die KuratorIn Deines eigenen StoffVorrates bist und daß Dir das Ganze Spaß machen soll. Man kann zu diesem Thema ganze bücher schreiben... aber ich wollte auf den Punkt eingehen, daß man eben nicht nur Motiv-/Printstoffe kaufen sollte, sonst kommt man schnell an den Punkt, daß man nicht allzuviel damit anfangen kann... es braucht eben icht nur Prints, sondern auch Begleitstoffe... und die werden oft übersehen, sind ja auch nicht so spektakulär... und das Ganze ist ja auch ein Prozess, man bekommt nach und nach ein immer besseres Gefühl für die eigene Ästhetik.

Ein guter Start sind Pre-Cuts (der Begriff ist in diesem Blogbeitrag erklärt... KLICK). Da passen auf jeden Fall und garantiert alle Stoffe zueinander.

Fertig zusammengestellte Packerl, wie wir sie im Ladeli anbieten sind auch ein guter Anfang.

Oft sieht man ja einen Quilt und denkt sich… wie wunderschön sind die Stoffe zusammengestellt? Und wie kriegt man das hin? Wie kann man das Erlernen?

zu Beginn ist es eine Idee, ein Farbschema, das Dir gefällt schlicht und einfach zu imitieren. Das kann auch die Farbkombi auf einr Einkaufstüte sein... oder ein Schaufenster, n dem Du vorbeiläufst und da Dich inspiriert. Damit meine ich nicht eine reine Kopie, aber wenn Du etwas siehst, das Dir gefällt und Du arbeitest aus der Inspiration durch Irgendjemanden, dann finde ich das total in Ordnung. Viele große Künstler arbeiten die Projekte ihrer Idole nach und entwickeln daraus mit der Zeit ihren eigenen Stil… wichtig und unabdingbar ist aber, daß man die Quelle der Inspiration nennt und sich dessen bewußt ist. Und in den meisten Fällen passiert es ja dann sowieso, daß man denkt, ach, aber das hier könnte ich doch anders machen…

Aber grundsätzlich gibt es ein paar Ideen, die wir im Hinterkopf behalten können, wenn wir daran denken, einen Stoffvorrat aufzubauen… dazu gehören verschiedene Stofftypen. Und ich will das gar nicht als starres Regelwerk verstanden wissen, sondern einfach als Idee, wie man einen fein kuratierten Stoffvorrat zusammenstellen kann. Das ist ja gerade das Schöne, geliebte Schätze aus dem Regal zu nehmen und im Stoffladen noch etwas Hübsches dazu zu legen und ein Projekt zu planen… dieses Gefühl, wenn Du am Wochenende in diesem wunderbaren Internetz eine zauberhafte Idee findest und direkt starten kannst, weil Du Stoffe hast, die Du zusammenstellen kannst…Unbezahlbar!

Wenn Du Lust hast, kannst Du Dich auch ein wenig mit dem Goetheschen Farbkreis und Farbtheorie beschäftigen… ich habe verstanden, daß das, was meine Kunstlehrerin versucht hat, uns beizubringen, definitiv einen praktischen, anwendbaren Nutzen hat. ABER… ich finde, daß das Allerwichtigste ist, daß Du Farben wählst, die Du magst, die Dir Freude machen, die sich für Dich gut anfühlen und die Dich anstrahlen. Manchmal wird es allerdings auch dann richtig interessant, wenn man die gewohnten Pfade mal verlässt und Farben ausprobiert, mit denen man sich sonst nie beschäftigt hat. Jo Avery erwähnte einmal, daß Limone für sie eine Farbe sei, die man wie weiß und schwarz überall dazu kombinieren könne… das mußte ich direkt ausprobieren und was soll ich sagen… spannende Erkenntnis!

Grundsätzlich kann man beim Aufbau eines Stoffvorrats in Solids, Prints, Blendern and low volumes denken und planen. Wir kuratieren für das Ladeli die Stoffpakete, die sogenannten Bundles so, daß das eine ausgewogene Mischung ergibt. Es gibt aber auch spannende KünstlerInnen wie Carolina Oneto, die fast ausschließlich mit Unis oder Solids, den einfarbigen Stoffen arbeitet. Und auch das ist ja ein Stilmittel.

Die Solids geben den Ton vor und sind schon ein Muß… einfach, weil ich entweder eine sanfte oder bspw. eine knallige Richtung vorgeben kann. Es gibt natürlich auch Quilts, die nur aus Prints bestehen, und dieser bunte, wilde Look, den man im Englischen auch scrappy nennt, hat ja auch etwas für sich. Du bist der Boss Deines Quiltprojektes und Du machst das wie Du magst. Manchmal kann es aber gerade zu Beginn hilfreich sein, daran zu denken, nicht nur die auffälligen Prints zu kaufen, die ganz laut „Nimm-mich-mit“ rufen. Es kann sinnvoll sein, zuerst einen Print-Stoff auszusuchen und mit den darin vorhandenen Farben die Unis auszuwählen… witziger Nebeneffekt… die Farben, die Du aus Deinem Print mit den Solids kombinierst, diese Farben werden im Print betont. Das bringt ja auch den ganzen Grundton des Quilts zur Geltung… von daher haben die Solids eine außerordentliche Bedeutung!

Wichtiger Nebensatz: Bei den Prints macht es Sinn, auf die Größe der Prints zu achten und kleine und große Prints zu mixen… das gibt eine interessante Abwechslung!

Eine gute Idee ist es, klein mit einigen Fat-Quartern zu starten. Das ist ein klassisches Maß von 45 auf 55 cm, das Du oft als Zuschnitt in einem Shop bekommst… das ist ein guter Anfang. Damit kannst Du starten, Deine Farbpalette zusammenzustellen. Und es ist auch eine gute Idee, damit einfach ein bißchen zu spielen… gerade an einer so schönen Fat-Quarter-Auswahl wie in unserem Laden läßt sich sehr schön an der eigenen Ästhetik arbeiten!

Fix und fertig kuratierte Bundle vom Hersteller sind natürlich auch eine feine Sache. Da wird eine komplette Serie benutzt und alles wird zu allem passen. Diese Bundle haben oft auch einen instinktiven „Will-ich-sofort-haben-Effekt“… und dann hat man auch eine Geling-Garantie, dass das ein stimmiges Gesamtbild ergibt und alles zusammenpasst. Ich mag das auch sehr gerne… aber irgendwie macht es ja auch Spaß, den eigenen Stil zu finden und eigene Bundle zusammenzustellen. Ich kenne das auch, dieses Gefühl, wenn so ein fix-und-fertig-Bundle in die Tüte hüpfen möchte.

Alsooooo… mit einem Stapel Prints, einem Stapel Unis/Solids sind wir schon mal gut versorgt, wenn wir anfangen möchten, Projekte nachzuarbeiten und uns ganz spontan die Muse oder ein Pinterest-Pin küsst.

Low Volumes sind ein sehr, sehr feines Design-Element. Low Volumes sind Stoffe, die eine leise Lautstärke haben, frei übersetzt. Das sind Hintergrundstoffe, die aber auch eine eigene Bühne haben können. Ein gutes Beispiel ist dieser Quilt:

Durch die sehr feine Maserung sehen die Stoffe fast aus wie ein helles grau oder in gebrochenes weiß, aber das sind sie nicht. Sie haben einfach ein feines Muster und durch die unterschiedlichen Schattierungen wirkt das sehr interessant. Wir haben eine hübsche Auswahl an Low-Volume-Stoffen immer vorrätig und wir haben auch Fat-Quarter und Fat-Quarter-Bundle zu diesem Thema. Das gibt dem Hintergrund einfach nochmal eine ganz neue Optik und macht den Quilt interessanter… man möchte eine ganze Weile hinschauen und die unterschiedlichen Hintergründe inspizieren.

Noch ein Wort zu den Blendern… Blender sind, genau wie der Name sagt, Stoffe, die etwas vortäuschen. Batiks und kleingemusterte, farbige Stoffe, die mit ein bißchen Abstand fast wie ein unifarbener Stoff aussehen.

Es kann losgehen! Und ich finde, die aller-allerwichtigste Sache ist, daß Dein Stoffvorrat Dir Freude macht und nach und nach immer mehr Deinen ganz persönlichen Stil widerspiegelt.

Seit ich die Tannenbäumchen zum ersten mal bei Amy Smart @diary of a quilter gesehen habe, hatten die niedlichen kleinen Schätze immer mal wieder einen Auftritt… in einem Kissen, einem Quilt…

So z.B. in dem Weihnachtsquilt, den ich vor laaaaanger Zeit für die Westfalenstoff AG entworfen hatte.

Sie sind sehr einfach gemacht, es ist eine tolle Einführung ins Improv-Quilting und sie sehen einfach ganz, ganz arg niedlich aus. Das Schöne liegt hier im Unperfekten.

Eigentlich ist Improv-Quilting ganz easy…. Das ABER hast Du schon gehört, gell? Es braucht ein bißchen Mut, wild in einen Stoff hineinzuschneiden. Ich habe das auch gemerkt, als ich im Sommer auf einem Improv-Quilting-Kurs war… es braucht ein wenig Überwindung und wirklich Courage, ohne festen Plan in den Stoff zu schneiden.

Es ist aber nicht völlig wild, wobei, wir arbeiten hier mit kleinen Stoffteilen, das ist eine gute Sache, um sich einfach mal auszuprobieren. Wir haben Materialpakete und Fabric-Bundles zusammengestellt, die als Basis für Kissen und/oder Quilts prima dienen können.

Für meinen Quilt braucht es 25 der kleinen Bäumchen.

Wir machen jeweils zwei Bäumchen, die dann gegengleich sind… verwirrend? Das klären wir gleich auf.

Wir nähen mit einer Nahtzugabe von einem Viertel-inch, dazu gibt es einen Blogbeitrag HIER. Die Stichlänge stellen wir auf 2, ich verriegele nur mit 1-2 Stichen am Anfang und am Ende jeder Naht.

Du startest mit dem Zuschnitt für 2 Bäumchen in der Größe von ca. 17 cm x 13 cm.

Dafür benötigst Du:

Ein Stoffquadrat in rot mit 6“ Seitenlänge (Stoff 1)

Ein Stoffquadrat in grün mit 6“ Seitenlänge (Stoff 2)

Ein Rechteck mit 6“ Länge und 2“ Höhe, jeweils einmal aus Stoff 1 und Stoff 2

Zwei braune Stoffstücke für die Baumstämme mit den Maßen 1,5“ auf 2“

Dazu benötigst Du ein Lineal, einen Rollschneider und eine Schneidematte… https://naehzimmermitherz.de/product/rollschneider-olfa-45-mm-klinge/

Am Besten legst Du Deinen Zuschnitt vor Dich hin….

Danach legst Du die beiden Quadrate so aufeinander, daß  jeweils die rechte Seite oben liegt.

Du legst das Lineal für den ersten Schnitt so an, wie auf dem Bild gezeigt… ca. ein Dreiviertel Inch vom rechten, unteren Rand bis etwas links von der Mitte am oberen Rand…. Und jetzt trau Dich!!! Einmal durchschneiden… Ich weiß, es ist nicht ganz einfach, aber Du schaffst das!

Du schiebst das abgeschnittene Stück nach rechts weg und legst, wie auf dem Foto zu sehen, das Lineal für einen zweiten Schnitt an… ca. ein Inch vom unteren, linken Rand entfernt und dann landest Du ca 1-1,5 Inch unterhalb des oberen Randes. Dann schneidest Du auch hier. Foto bitte genau anschauen….

Danach lege ich mir alle Bäumchen und Seitenteile aus. Während des ganzen Prozesses bis hierhin liegen immer die rechten Seiten oben. Jetzt sieht es im Prinzip aus wie ein Puzzle mit ineinander passenden Teilchen.

Jetzt legst Du das Baumdreieck rechts auf rechts am linken Seitenstück an. Die Spitze der kleinen Tanne steht ca ein knappes Vierteil -Inch über. An der zu nähenden Kante stecke ich mir zwei Stecknadeln und es geht los…

Wir bügeln in diesem Fall die Naht so aus, daß sie zum Hintergrund hin zeigt.

Jetzt wird das rechte Hintergrund-Seitenstück angenäht. Auch hier guckt das Eckchen oben ca. ein Viertel-Inch über die obere Kante.

Auch diese Naht bügeln wir wieder nach außen.

Die unten überstehenden Kanten schneiden wir gerade ab.

Weiter geht’s mit dem kleinen Rechteck 6“ x 2“ . Das schneiden wir frei Hand einfach in der Mitte durch und nähen das Baumstammstückerl dazwischen ein. Dazu klappen wir die Seitenteile jeweils rechts auf rechts an das Baumstammstückerl und nähen das an. Diese Nähte bügeln wir auseinander.

Danach kommt das Rechteck mit dem eingesetzten Baumstamm unten an das Bäumchen. Wir nähen beide Teile rechts auf rechts an. 

Wenn ich mehrere Bäumchen zusammennähe, suche ich immer das Kleinste heraus und trimme alle anderen auf diese Höhe und Breite. . Der Charme bei diesem Projekt liegt für mich eben gerade in den bunten und wilden Bäumchen… sie sind eben nicht akkurat, aber so ist es im Wald im Normalfall ja auch nicht. Eines ist gerade, eines schief, Eines hat einen langen Stamm und Eines eben nicht… Und weil am Ende nicht alle Bäume gleich breit und/oder hoch sind, habe ich bei meinem kleinen Mini-Quilt einfach ein bisserl Stoff links und rechts angenäht… das hat so eine hübsche Flickenoptik, ich mag es sehr.

Es war Anfang April… das Wetter war mistig und ich konnte nichts im Garten wurschteln und an solchen Tagen sitze ich am Liebsten an der Nähmaschine oder ich sitze in Rumschlumpfklamotten auf dem Sofa mit Laptop, Büchern und Notizbüchern und mache mir so meine Gedanken. Und irgendwie kam ich auf die Website des Festivals of Quilts.

Ah, dachte ich, stimmt, das ist ja in Birmingham. Ne, geht nicht. Zu weit weg, mitten in den Ferien, ich fliege äußerst ungern. Das wird nix. Klang aber gut.

Klang sehr gut. Und bei einem Blick ins Workshop-Programm hing ich am Haken. Ich fing an, mir Kurse in den Warenkorb zu legen und Aussteller zu notieren, die ich gerne einmal persönlich kennenlernen würde. Und ein kurzes Telefonat mit meiner Kollegin Michi von wollverliebt, die eine erfahrene Zugreisende ist, klärte so Einiges.

Auf dann. Auf meinem Laptop waren nun die Tabs der Deutschen Bahn, national railway-service, Festival of Quilts, Air-Bnb geöffnet, dazu Seiten wie liberty-fabrics, alicecarolinefabrics, Carolina-Oneto….

Für jeden Menschen ist ja etwas Anderes stressig. Manche haben Angst vor Spinnen, Prüfungen, Höhe usw. Ich verreise nicht gerne an Plätze, an denen ich noch nie war und Fliegen ist für mich auch keine Freude. Und ich bin es auch überhaupt nicht mehr gewohnt, alleine zu reisen, die letzten Jahrzehnte waren wir immer als Familie unterwegs.

Und es gab ja jetzt keine absolute Notwendigkeit, dahin zu fahren, es zwingt mich ja nichts. Es ist ja auch nicht so, dass es mir zuhause und im Ladeli langweilig wäre. Eigentlich hatte ich auch keine Zeit… meine älteste Tochter wollte an dem Wochenende davor umziehen, der Messe-Termin war auch direkt eine Woche vor unserem Familienurlaub. Die Zweifel nagten dolle an mir. Nächstes Jahr? Ist bestimmt alles viel besser.

Und dann habe ich einfach gebucht. Eine kurze Rücksprache mit der Family, und ich drückte auf „Buchen“ und „Kaufen“. 

If you never have the time, you will never have the time. Nächstes Jahr ist es auch nicht anders, richtig? Irgendwas ist ja immer.

In der Woche vor meiner Abfahrt war mir schon ein bißchen mulmig. Bißchen sehr. Aber da war es ja dann auch schon zu spät. Ich habe mir einen Rollkoffer gekauft und an einem Mittwochmorgen stand ich am Bahnsteig.

Die Zugfahrt war einfach nur aufregend und wunderschön. Ich habe weder gelesen noch genäht oder handygedaddelt. Ich habe entweder aus dem Fenster geschaut oder mich mit SitznachbarInnen unterhalten. Ich bin Menschen begegnet, denen ich sonst nie begegnet wäre. 

Wenn man in London mit dem Euro-Star ankommt, dann ist das an der Station London-Euston. Meine Weiterfahrt nach Birmingham startet aber in London St. Pancras. Ich hatte mir das vorher auf Google angeschaut und da sah es so aus, als ob ich 400 m zu Fuß zu laufen hätte. Kein Ding, dachte ich.

Leider war es nicht so. Ich mußte in Euston  von der Ebene der international trains in die Ebene der Underground hechten, dort eine Station zu St. Pancras düsen und dann dort wieder eine Ebene nach oben zu den national trains hopsen… in einer Umstiegszeit von 18 Minuten. Im Londoner Berufsverkehr. Das habe ich so gut hingekriegt… ich habe mich durchgefragt, habe mich blitzartig erinnert, wie  die Londoner underground funktioniert, Zackzack in Ticket gekauft und mich an den beiden Stationen im dichtesten Gewimmel durchgewurschtelt.

Und als ich dann gerade noch so den Zug nach Birmingham erwischt hatte und leicht keuchend mein Gepäck in den Waggon gewuchtet habe, da war ich sehr, sehr zufrieden mit mir. Ich hatte wirklich Muffensausen, ob ich das alles gut hinkriege und in dem Moment wußte ich, daß ich das wirklich tipptopp gemanaged habe. Und in dieser Sekunde hatte sich die ganze Reise schon gelohnt. Weil mir das so einen Schub in meinem Selbstvertrauen gegeben… ich werde nie, nie wieder über mich sagen, daß ich eine schlechte Reisende bin. Ich bin sehr, sehr gerne zuhause, in meinem Ladeli und mich zieht es einfach nicht so in die Ferne. Aber ich konnte mir in so einer Situation prima helfen. Ich weiß jetzt, daß ich mich zurechtfinde und möchte meinem Englisch-Lehrer, Herrn Kuen nachträglich für den hervorragenden Unterricht danken.

Es ist schon so, wie mein Opa gesagt hat:“Was man im Kopf hat, das kann Dir Keiner nehmen“. 

Deshalb bin ich nach Birmingham gefahren und mußte nicht lange überlegen… ich wollte lernen - neue Impulse bekommen, Neues sehen, sehen, was Andere arbeiten, und das in aller Ruhe.

Im Zug habe ich darüber nachgedacht, weil plötzlich auf Instagram Nachrichten reintickerten:

„Das würde ich niemals alleine machen“.

Eine sehr, sehr liebe Freundin hatte sogar gemeint, sie käme gerne mit nach Birmingham. Das ist eine Freundin, mit der ich auch sehr, sehr gerne gemeinsam nähe. Aber ich habe ihr in aller Liebe abgesagt. Weil ich das Ganze in meinem Tempo machen wollte. Weil ich meinen Kopf ganz für mich haben wollte… ohne eine Frage, ohne einen Kommentar… ich wollte mich selbst denken hören. Seit 23 Jahren bin ich Mama und wir hatten immer Jubeltrubelheiterkeit mit Kindern, Freunden, Hund und Katze… ich wollte einfach mal ganz in meinem Kopf sein.

Ich habe es so genossen, mich in dieser wunderbaren Quilt-Ausstellung wie in einem Museum vor einzelne Quilts zu setzen und nur zu schauen. Das habe ich einen ganzen Tag lang getan. Das war so ein unvorstellbarer Luxus an Zeit.  

Aber wenn man sich nie die Zeit nimmt, wird man nie die Zeit haben. 

Manchmal hat sich noch Jemand zu mir auf das Bänkchen gesetzt und wir kamen ins Gespräch. Ich habe mit so reizenden Frauen gesprochen, und eine Dame meinte, als wir aufstanden, daß wir jetzt mit unserem Gespräch die Welt ein wenig gerade gerückt hätten. Das war sehr süß. 

Am ersten Tag hatte ich einen Ganztagesworkshop bei Carolina Oneto. Carolina und ich kannten uns bereits von Instagram und ich hatte an dem Tag das Glück, neben Annette zu sitzen. Annette ist eine pensionierte Geographie-Lehrerin aus Südengland. Und sie hat mir einfach immer nur Mut gemacht. Improv-Quilting war der Workshop-Titel und Carolina hat nicht lange gefackelt. Wir starteten direkt mit einem Kurs über Farbtheorie und an dieser Stelle auch einen lieben Dank an meine Kunstlehrerin… sie hatte den Grundstein gelegt und mit Carolinas Erläuterungen zum Farbkreis, da gingen bei mir im Hirn alle Glühbirnen an. Jetzt habe ich es verstanden. Hier ist meine Farbwahl für den Kurs:

Beim Improv-Quilting schneidet man frei, ohne Lineal… zumindest in Carolinas Kurs. Das hat ein bißchen Mut gebraucht und es war so gut, daß Annette neben mir einfach mit den Schultern gezuckt hat und beherzt in Ihren Stoff geschnitten hat. Das hab` ich dann halt auch gemacht. Der Moment, in dem ich mich zu Beginn des Kurses so unsicher gefühlt habe, hat mir wieder sehr deutlich klar gemacht, wie man sich fühlt, wenn man etwas Neues lernt und einfach erst einmal unsicher ist. Das geht meinen Workshop-TeilnehmerInnen ja oft genau so!

Carolina hat den Kurs superschön und strukturiert geleitet und an diesem Abend war ich völlig fix und alle… ich bin so froh, daß ich mir ein Aitr-Bnb außerhalb gemietet habe… nach einem ganzen Tag in den Messehallen mit künstlichem Licht und ohne frische Luft, da kannste mich wegwerfen… das bin ich nicht gewohnt. Ich lebe am Feldrand, mein Laden hat große Fenster und ich brauche dieses Gefühl von Weite und Ruhe… das kleine Örtchen war nur 3 Bahnstationen weiter und vom Bahnhof waren es 20 Minuten zu gehen. Aug halbem Weg gab es eine kleine Ladenstraße mit Coffee-Shops, Restaurants und einem Tesco-Supermarkt, da habe ich meine Verpflegung organisiert. Und in meinem Air-Bnb gab es ein fantastisches Sofa mit einer reizenden Ecke… Ich bin da schlicht und einfach eingepennt. Abends um halb acht. Das ist besonders schön, wenn man dann völlig gerädert um halb zwei mit steifem Nacken aufwacht. Aber ja. Und dass das Air-bnb in der Needler`s Lane war, war wirklich lustig!

Am Freitag hatte ich den ganzen Tag Zeit, um mir die Aussteller anzuschauen… und ich hatte mich mit KollegInnen verabredet, darauf habe ich mich auch mega gefreut. Jetzt war ich ja auch schon perfekt eingegrooved und kannte den Weg vom Air-Bnb zur Messehalle ohne nachdenken zu müssen.

Mein erster Weg führte mich morgens zu liberty-Fabrics… Mein Gott, was waren die Quilts schön! Und die Stoffe. Seufz.

Mit Millie bin ich aktuelle und neue Kollektionen durchgegangen und davon wird der ein oder andere Stoff seinen Weg ins Nähzimmer finden, ich konnte direkt bestellen. Liberty-Händlerin zu sein macht mich wirklich, wirklich stolz, das sind einfach traumhafte Stoffe. Und diese Quilts!!!

Danach hatte ich ein Gespräch mit Kolleginnen an verschiedenen Ständen und bin dann schlimm versackt bei einem riesigen, riesigen Stand, an dem Quilt-Bücher aller Art angeboten wurden. Ich war da sehr, sehr lange. Und danach war ich um einige Pfund leichter.

Und es gab auch einen fantastischen Stand mit den wunderbaren Tilda-Stöfflis…

Mittagessen mit Nico @nicos_bug_and_bee und Anna von @anna_macht war dann das nächste Highlight und ich habe @alissaquilts getroffen…. Das war richtig schön. 

Und abends bin ich wieder direkt in der Sofa-Ecke eingeschlafen.

Den Samstagvormittag habe ich komplett auf den Bänkchen in der Galerie verbracht. Auf der Instagram-Seite des @festivalofquilts kannst Du die diesjährigen PreisträgerInnen und auch Quilts der Ausstellungen sehen. Ich habe natürlich auch Bilder gemacht, die zeige ich am Ende des Beitrags.  Uuuuund auch auf meinem Instagram gibt es ein Highlight das Festival of quilts, kurz Foq heißt.

Mit Karen, Lynne und Jo von @threadhouse.uk bin ich auf Instagram schon lange verbandelt. Das war so schön, die KollegInnen mal persönlich zu treffen…

Am Nachmittag habe ich noch zwei Vorlesungen besucht… in der Einen ging es darum, wie man Zugang zur eigenen Kreativität findet und Jane Haworth berichtete über Ihre Entwicklung der letzten Jahre… niemand startet als Experte und es war spannend, Ihre Arbeiten zu sehen. Auf Instagram heißt sie @janehquilter, falls Du Dir das mal anschauen möchtest.

Eine weitere Vorlesung hörte ich bei Annie Gianini-Godfrey, auf Instagram @hustle.well zum Thema Branding und Marketing für Handarbeits-Unternehmen… es ist immer so spannend, die Sichtweise Anderer zu sehen… genau dafür sind solche Treffen ja fantastisch.

Ah. Und dann habe ich noch einen Workshop im Handquilten bei @lesliequilts belegt. Kleinere Teile habe ich schon handgequiltet und auch hier wollte ich einfach mal sehen, wie es denn die Anderen machen. Die Herangehensweisen sind immer unterschiedlich, das macht es ja so spannend. 

Ich bin so froh, daß ich diese Reise gemacht habe. Ich fühle mich in so vielen Punkten jetzt viel sicherer und ich weiß, daß ich schon irgendwie zurechtkomme. Ich glaube, Jede-/r von uns hat so seine Punkte, wo man sich vielleicht zu wenig zutraut. Ich habe es einfach gemacht und es ist alles gut gegangen.

Ich habe wunderbare Frauen kennengelernt, so inspirierende Gespräche geführt. Ich habe wunderwunderschöne Quilts gesehen, die so unterschiedlich in Technik und Aussage waren.

Und hier noch ein paar Bilder zum Genießen: 

Dieser Quilt ist ein absolutes Meisterstück von Penny Jeffries:

Die folgenden Quilts kannst Du auf der Seite des Festival of quilts genauer beschrieben sehen. Ich wollte einfach die Unterschiedlichkeit einfangen, ganz ohne zu bewerten. Ich lieb` die irgendwie alle. Das Ausstellungsverzeichnis mit Erläuterungen liegt in den nächsten Wochen im Ladeli, wenn Du weiter weg wohnst und zu einem speziellen Quilt Fragen hast, melde Dich gerne bei mir.

Der Start unseres Quiltjahres mit dem Titel Homemaking und Wanderlust war derartig fulminant, daß ich noch einmal von ganzem Herzen Danke!!!! sage!

Ich sehe schon, Euch hat das Interesse auch gepackt und ich kann es so gut verstehen.

Ich habe eine Kundin, die wohl abends auf der Couch unter Anderem auch meine Stories gerne hört. Ihr Mann sitzt dann daneben und hört mit einem Ohr zu und hat natürlich auch mit bekommen, daß bei seiner Liebsten das Quilten ein Thema geworden ist. Immer, wenn ich etwas über Quilts oder die passenden Stoffe erzähle, muß wohl so viel Begeisterung hörbar sein, daß er aufmerkt und sagt: „ jetzt spricht Dunja über Quilts.“ 

Das hat mich sehr berührt, denn wenn ich diese Begeisterung hör- und erlebbar machen kann, dann weiß ich, ich bin auf dem richtigen Weg. Danke, Danke, Danke liebe Christina, daß Du mir diese Geschichte geschenkt hast. Und grüß` Deinen Mann lieb.

Also tue ich das ganz einfach… Let`s talk Quilts, Ladies and Gentlemen.

Als ich das erste Mal precuts entdeckt habe, war ich sofort hin und weg.. ich habe mich in diese Stoffschätze stehenden Fußes heiß verliebt.

Kurz gesagt, sind precuts vorgeschnittene Stoffstücke, die ein Maß haben, daß Du es gut in Deinen textilen Arbeiten verwenden kannst. Und es gibt viele Anleitungen, die schon speziell für diese vorgefertigten Stoffteile gedacht sind. So gibt es Quilt-Anleitungen, die bspw. Jelly-Roll-friendly oder Fat-Quarter-friendly auf dem Cover ausgewiesen haben.

Das Gute an diesen Stücken ist, daß man sie oft als Ergänzung zu bereits vorhandenen Stoffen in ein Projekt einbauen kann. Wenn man mit sehr vielen Stoffstücken arbeitet, bspw. aus dem eigenen Bestand und einem hinzugekauften Fat Quarter- bundle, dann wird es eben oft interessanter, bunter lebendiger. Im Englischen gibt es den Begriff „scrappy“, was bedeutet, daß man viele, viele kleine Stücke verwendet. Dann kann man ja auch seiner Kreativität freien Lauf lassen und kombinieren, was die Stoffkörbe hergeben. Dann wird es individuell und ganz persönlich.

In den USA ist Quilten ein großer Markt…. Das führt dazu, daß sich Hersteller etwas einfallen lassen, um ihre Stoffserien zu zeigen und sie möchten es den Quilterinnen natürlich auch angenehmer machen.

Also gibt es vorgeschnittene Stoffstücke in unterschiedlichen Größen und Mengen… das kennen wir so in Deutschland gar nicht, deshalb mag ich Euch gerne etwas davon zeigen.

Da wir uns im angloamerikanischen Raum nicht im metrischen System bewegen, sind die Stoffballen 42“, das heißt 42 Inch breit. Bei uns sind das ja bei der Baumwollwebware meistens 140 oder 150 cm, die Stoffballen der klassischen Quiltststoffe sind 1,10 breit . Wenn man davon 1 Yard abschneidet, sind das 91 cm umgerechnet.

Wenn man also von einem klassischen Quiltstoffballen mit 1,10 m Breite ein Yard abschneidet, also 91 cm in der Länge, und sich dann vorstellt, dieses Stoffstück zu vierteln, hat man aus einem Yard 4 Stoffstücke in der Größe 45 auf 55 cm, das ist dann ein „dickes Viertel“, ein sogenanntes Fat Quarter.

Quiltshops führen oft ganze Kisten und Schubladen oder Schaukästen, gefüllt mit einer unglaublichen Auswahl an diesen Fat Quartern. In Deutschland kennt man das so nicht, und ich werde oft von KundInnen, die das nicht kennen gefragt, ob das Reste sind. Nein, das ist sorgfältig zugeschnitten und fein gefaltet… damit unser KundInnen die größtmögliche Auswahl haben. Und das Geniale ist, oft braucht man bei einem Patchworkprojekt ja wirklich viele Farben, damit das Ganze einen bunten Look bekommt… Zum Beispiel das geniale Einhorn, das Steffi genäht hat… sie mußte nicht von jedem Stoffballen zentimeterweise kaufen, sondern konnte sich bei den Fat- Quartern etwas Feines zusammenstellen.

Viele Hersteller bieten sogenannte Fat-Quarter-Bundles an… da sind mehrere Stoffe einer Serie, wunderbar aufeinander abgestimmt, in ein Paket gepackt, sorgfältig ausgewählt.

In den USA bspw. bringen die großen Hersteller jährlich Dutzende, wenn nicht Hunderte von Serien auf den Markt, die (fast) alle aus 42 Designs bestehen. Daraus werden dann diese Bundle gemacht, so daß die einzelnen Stoffstücke immer aus einem Guß sind. Wenn diese Serie dann verkauft ist, ist sie nicht mehr nachbestellbar. Weg ist weg. Ganz selten wird eine klassische Serie neu aufgelegt, grundsätzlich heißt es aber, wenn Dir eine Serie gut gefällt, solltest Du nicht zu lange warten. 

Über die Zeit kann man sich so einen fein sortierten Fundus aufbauen. Und so, wie in einem Museum die Kuratoren entscheiden, welche Stücke gezeigt, eingelagert oder weiterverkauft werden, so kannst Du auch Deine Sammlung kuratieren.

Dann kannst Du bei jedem neuen Projekt durch Deine Schätze gehen und entscheiden, welcher Stoff in welchem neuen Stück verarbeitet wird. Und wenn dann neue Ideen bspw. auf Instagram, Pinterest usw. aufploppen, kannst Du sofort in Deine Sammlung tauchen, Deine Farben und Designs zusammenstellen und evtl. mit einigen neuen Stücken ergänzen.

Die verschiedenen Precuts haben lustige Namen und sind von unterschiedlichen Herstellern auch oft ähnlich, aber nicht immer identisch aufgebaut.

Grundsätzlich ist ein Fart-Quarter ein Stück von 45 auf 55 cm, siehe oben. Bundles gibt es mit unterschiedlichen Mengen davon.

Ein Charm Pack ist ein Packerl mit 42 Quadraten in der Größe von 5“, in cm übersetzt in cm sind das dann 12,5 cm ungefähr. Diese Charm Packs beinhalten also grundsätzlich alle Designs und Farben einer Serie und sind perfekt für Taschen und mit Ergänzungen aus Deiner Sammlung kannst Du daraus feine Quilts und Baby-Quilts nähen.

Eine Jelly-Roll heißt auf deutsch eigentlich Biskuitrolle. Und wenn man diese Rolls von der Seite betrachtet, dann weiß man auch, warum sie so heißen, es schaut wirklich aus wie eine Biskuitrolle. Auf diesen Rollen sind üblicherweise 42 Stoffstreifen in der Breite von 2,5“ und in der Länge von einer ganzen Stoffballenbreite, das sind 1,10 m. Bei 2,5“ Stoffbreite hat eine Jelly-Roll 6,25 cm breite Streifen. Auf Pinterest, Youtube bspw. findest Du jede Menge Inspirationen, was sich mit einer Jelly Roll so anstellen läßt… aus den Streifen lassen sich die tollsten Projekte machen und wenn bereits alles vorgeschnitten ist, kann man wirklich zügig vorankommen. Ein besonderes Schmankerl ist das Jelly-Roll-Race der Missouri Star Quilt Company auf Youtube.

Dann gibt es noch die Layer Cakes… diese haben auch 42 quadratische Stücke in der Größe von 10“, das sind dann umgerechnet 25 cm….

Nicht zu vergessen die Candies, das ist dann ein Packerl mit 42 Stoffstücken, die 2,5“ im Quadrat haben. Daraus lasen sich schöne Oberflächen mit wirklich sehr niedlichen kleinen Stücken machen… perfekt für Täschchen, Tischläufer usw.

Die Precuts sind in sich schon so wunderbare kleine Kunstwerke… ich habe eine Jelly-Roll von Tilda seit Jahren im Regal stehen, weil ich mich einfach nicht entschließen kann, diese Schönheit anzuschneiden. Ich schaue sie immer wieder an, halte sie in den Händen und erfreue mich daran. Und irgendwann kommt der Tag, an dem mir einfällt was daraus wird. Ich bin selbst sehr gespannt.

Was ist das mit dieser inch-Umrechnerei? Wozu brauche ich das überhaupt? Wie mache ich das und muß ich wirklich jede einzelne Angabe umrechnen?

Zuallererst einmal ist das Wichtigste, daß in Anleitungen zum Patchwork und Quilten  beim Zuschnitt IMMER der Wert angegeben ist, der zugeschnitten werden muß… Du addierst keine Nahtzugabe dazu!

Patchworkmuster sind geometrische Spielereien… und so sehr ich das in der Schule gehaßt habe, so sehr fasziniert es mich heute, mit den Stoffen, den Formen und den Zahlen zu spielen… verrückt, wie sich das manchmal ändert.

Wenn Du eine Nähanleitung in Deutschland liest, hast Du oft eine Angabe für einen Zuschnitt ohne Nahtzugabe, Du gibst die NZ selbst dazu. Bei einer Tasche bspw. ist es auch wurscht, ob Du mit einer NZ von 0,6 oder 0,8 nähst… Du nähst ja alles mit einer Maschine, und ob die Tasche am Ende 0,2 cm breiter ist, macht ja nichts aus. Bei Nähprojekten mit Jersey macht der kleine Unterschied von bspw. 0,2 cm auch nichts aus, das Material dehnt sich ja. Bei uns in Deutschland ist grundsätzlich die Nahtzugabe nicht exakt festgelegt.. ich selbst habe mehrere Nähmaschinen, eine Pfaff, eine Brother, eine Bernina… und irgendwo bei 0,6-0,8 cm bewegt sich die Nahtzugabe, wenn ich einfach ganz klassisch füßchenbreit nähe.

Bei einem Quiltprojekt ist es allerdings so, daß wir uns auf eine Nahtzugabe einigen müssen. Weil sonst die ganze Rechnerei nicht mehr funktioniert. Bei kleinteiligen Mustern führt eine Abweichung von 0,2 cm pro Naht schnell zu wirklich riesigen Abweichungen, weil sich das Motiv ja ganz oft wiederholt…

In den USA, Großbritannien und vielen anderen Teilen dieser Welt wird das metrische System, das wir benutzen, nicht verwendet. Dort gibt es Meilen statt Kilometer, Yards statt Metern und die Einteilung der Inches. Ein Inch entspricht 2,54 cm. Die Inches werden auch nicht in Zehnerschritte eingeteilt, wie bei uns der Zentimeter in Millimeter… sondern es gibt halbe, viertel und achtel Inch.

Klingt kompliziert? Ist es wirklich nicht. Denn wir rechnen das nicht um, das wäre sinnlos. Wie willst Du denn auch bspw. ein Stück Stoff, das bspw. 2,5 Inch breit sein soll zuschneiden? Du wirst kein Lineal finden, das ein metrisches System benutzt und Dir dabei hilft, das Stück 6,35 cm breit zuzuschneiden.

Wir rechnen einfach gar nicht, das ist der Weg. Wir benutzen ein Inch-Lineal, ganz einfach. Da sind nämlich die 2,5 Inch markiert und die komplette Rechnerei entfällt. Man könnte sich vorstellen, ein Zentimeter-Lineal zu haben mit größeren Kästchen.

Wenn Du an Deiner Nähmaschine die Nahtzugabe von einem Viertel-Inch suchst, dann sind das 0,635 cm… 

Am Besten nähst Du mit Deiner Nähmaschine auf einem Stück Papier füßchenbreit. Dann mißt Du, wie breit die Nahtzugabe bei Deiner Nähmaschine ist… vielleicht sind es bereits exakt die 0,6 cm? Oder Du siehst, es sind 0,8, dann weißt Du, Du mußt 0,2 mm weiter linkst starten. Mit einem Blatt Papier und einem Inch-Lineal probierst Du so lange, bis Du den Punkt gefunden hast, an dem Deine Nahtzugabe ein Viertel Inch beträgt. Manchmal kann da auch die Stichplatte helfen, oft ist da das Viertel-Inch markiert.

Du nähst also mit Deiner normalen Nahtzugabe auf einem Stück Papier und mißt das mit einem Inch-Lineal nach. Wenn Du auf Deiner Nähmaschine die Viertel-Inch-Nahtzugabe gefunden hast, machen wir ein Probstück um das zu überprüfen und zu üben. Hier, in meinem Bild mit dem Lineal, müsste ich eine etwas schmalere Nahtzugabe suchen, denn die eigentliche Naht ist ein Stück entfernt von der Viertel-Inch-Markierung des Lineals.

Wir benötigen 4 Steifen Baumwollstoff, die 2,5 Inch breit und ca. 12 Inch lang sind. Das können zwei mal zwei Streifen oder vier verschieden farbige Streifen sein, ich habe hier mit zwei Farben gearbeitet.

Diese Streifen nähst Du an den langen Seiten mit der Nahtzugabe von 1/4 Inch rechts auf rechts zusammen. Du musst nicht verriegeln am Anfang und am Ende der Naht. Da wir später diese Nähte verletzen, d.h. zerschneiden müssen, nähen wir mit einer sehr kleinen Stichlänge von 2,0. Gewöhn` Dir gerne an, erst einmal zwei Streifen rar zusammen zu nähen und dann alle 4. Wenn wir später mit größeren Stücken arbeiten, ist es gut, wenn wir uns die Struktur, erst mit kleinen Stücken zu beginnen, bereits angewöhnt haben.

Dein fertig genähtes Stück sieht jetzt so aus:

Das ganze Werkstück müßte jetzt in der Höhe 8,5 Inch haben, dann stimmt Deine Nahtzugabe. Warum? Wir haben viermal 2,5 Inch aneinandergenäht, das macht 10 Inch.

Wir haben drei Nähte, bei denen auf jeder Seite des Stoffes 1/4 Inch durch die Nahtzugabe abgezogen wurde. Sechs Viertel sind gekürzt 3 halbe, das macht in Dezimalzahlen 1,5 . 10 minus 1,5 sind 8,5.

Das Gute ist - Du mußt das gar nicht rechnen, das macht die/der Ersteller-/in der Anleitung für Dich. Ich wollte nur, daß Du es verstehst und anwenden kannst.

Also, Dein Werkstück ist jetzt 8,5 Inch hoch und 12 Inch lang. Auf der Rückseite des Stoffes bügelst Du die Nahtzugabe auseinander. 

Du begradigst den Anfang Deines Werkstückes, damit Du eine Orientierung hast und schneidest jetzt vier mal ein 2,5 Inch breites Stück ab:

Diese Stücke werden dann wieder versetzt rar aneinander genäht:

So entsteht das Muster aus vielen kleinen Quadraten, die wir NICHT einzeln aneinander nähen. Bei unserem Übungsstück bleibt ein kleiner Rest, ich wollte, daß Du eine Reserve hast.

Wenn Du die einzelnen Stücke aneinander nähst, achtest Du darauf, daß die Nahtzugaben gut aufeinander treffen. Stoff ist kein Stahl, das habe ich von @strickwerke gelernt. Du kannst die Nahtzugaben fein aufeinander abstimmen, indem Du ein bißchen hier und da zupfst. Ich stimme die Nahtzugaben aufeinander ab und stecke dann eine Stecknadel NEBEN die Naht, um diese zerschnittene, offene Naht nicht weiter zu strapazieren.

Fertig genäht sieht der Block dann so aus....

Aus diesen hübschen Schachbrettmotiven kannst Du Tischläufer, Kissen, Taschen machen, was auch immer Du magst! Es sind tolle Übungsstücke um zu sehen, ob Du mit Deiner Viertel-Inch-Nahtzugabe richtig liegst und Du kannst üben, daß die Nahtzugaben schön aufeinandertreffen... viel Erfolg!!!

Ein frohes neues Jahr möchte ich noch einmal wünschen... ich in schon sehr gespannt auf unseren Quilt-Along.... Das Wort bedeutet, daß wir alle gemeinsam in einem abgesteckten Zeitrahmen einen Quilt zusammen nähen werden. Das wird hier auf dem Blog begleitet, im Newsletter und auf Instagram. Der Dreh- und Angelpunkt wird der Blog sein, Du musst Dich nirgends anmelden, ich freue mich aber, wenn Du uns beim Newsletter oder auf Instagram begleitest.

Der Zeitplan für den Quilt-Along ist natürlich nur ein Vorschlag... Du erhältst beim Kauf unseres Materialpakets eine komplette Anleitung dazu und kannst selbst entscheiden, in welchem Tempo Du arbeiten möchtest. Es wird Live-Abende auf Instagram geben um Fragen zu beantworten und um gemeinsam zu nähen. Wir alle haben ganz unterschiedliche Lebenssituationen und Zeitfenster... Du machst es so, wie es für Dich asst. Manchmal kann so ein Termin aber auch einfach ein kleiner Stups sein, um sich an ein Projekt dranzusetzen. Also, alles kann, nichts muß.

Im Online-Shop haben wir eine Kategorie "Rund ums Quilten" eingerichtet.... hier klicken. Da werden ab morgen Abend, 3. Januar 2023, ca. 20.00 Uhr, Materialpakete und Anleitung verfügbar sein. Ab 18.30 Uhr kannst Du gerne auf Instagram Live dabei sein, Fragen stellen und ein bißchen über die Geschichte und Besonderheiten des Quiltens erfahren.

Hier kommt der Zeitplan... und ich freu`mich riesig auf Dich!!!

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